MRR, ARR und Multi-Currency: Wie unser Stuttgarter B2B-SaaS-Startup mit InvoiceFlow Investor-Reporting-Reife erreicht hat
Von Tobias Lendle, Mitgruender Lendle Analytics GmbH - Stuttgart Vaihingen
- Lesedauer: 14 Minuten
In der ersten Investoren-Praesentation, die wir je gemacht haben, hat ein Partner einer Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft eine einzige Frage gestellt: "Was ist Ihr MRR Ende des letzten Monats?" Ich habe gesagt: "Ich kann es Ihnen ausrechnen, wenn ich kurz mein Notebook aufklappe." Er hat geantwortet: "Wenn Sie das nicht in einem Satz beantworten koennen, sind Sie noch nicht bereit fuer eine Finanzierung." Ich habe in dem Termin nichts mehr gewonnen.
Mein Name ist Tobias Lendle. Ich bin Mitgruender und Geschaeftsfuehrer der Lendle Analytics GmbH, einem B2B-SaaS-Unternehmen mit Sitz in Stuttgart-Vaihingen. Wir bauen Datenanalyse-Software fuer mittelstaendische Maschinenbauer im DACH-Raum, mit zunehmender Expansion in die Schweiz und in die USA. Diese Geschichte handelt davon, wie wir aus einem chaotischen Excel-Buchhaltungs-Setup eine Investor-Ready-Reporting-Infrastruktur gemacht haben - und welche Rolle InvoiceFlow dabei gespielt hat.
Was uns 2024 fast den Hals gekostet hat
Wir waren zu dritt im Maerz 2024 - mein Mitgruender Lars, unser CTO Andreas, und ich. Wir hatten 14 Kunden, einen Jahresumsatz von ca. 180.000 EUR, und keine Ahnung, wie unser Geschaeft im Detail aussah. Wir haben Rechnungen mit einem zusammengebastelten Tool geschrieben, das mein Mitgruender Lars in einem Wochenende auf Basis von Templates programmiert hatte. Es funktionierte, aber es lieferte keine Auswertung. Wir konnten nicht sagen, wieviel davon wiederkehrender Umsatz war, wieviel einmaliger. Wir konnten nicht sagen, wie hoch unser Churn war. Wir konnten nicht sagen, wie unser Customer Acquisition Cost im Verhaeltnis zum Customer Lifetime Value stand. Wenn ich diese Zahlen brauchte, habe ich sie an einem Sonntag mit Lars in Excel zusammengetragen, und am naechsten Tag waren sie schon nicht mehr aktuell.
Im April 2024 hatte ich die genannte Investorenpraesentation. Im Mai habe ich mich entschieden, das aendern zu muessen.
Was wir gesucht haben
Unsere Anforderungen waren spezifisch fuer ein B2B-SaaS-Geschaeft:
- Wiederkehrende Rechnungen mit verschiedenen Zyklen (monatlich, quartalsweise, jaehrlich)
- MRR- und ARR-Berechnung in Echtzeit
- Churn-Tracking - wer kuendigt wann, wie lange war er Kunde
- Multi-Currency - unsere Schweizer Kunden zahlen in CHF, unsere ersten US-Kunden in USD, der Rest in EUR
- Reverse-Charge-Verfahren fuer B2B-Rechnungen in andere EU-Laender
- USt-Behandlung fuer Schweiz (kein EU-Land, MWST-Pflicht ueber Schwelle) und USA (Sales Tax komplex)
- Pro-Profil-Trennung, wenn wir verschiedene Produkte oder Marken aufbauen wollen
- X-Rechnung an deutsche B2B-Kunden, die das fordern
Wir haben mehrere Loesungen getestet - klassische Buchhaltungssoftware war zu schwer fuer ein Startup, einige Abo-Tools waren zu sehr auf Privatabos fokussiert und nicht auf B2B. InvoiceFlow hat uns als beste Mischung aus mobiler Bedienbarkeit, MRR-Tracking und USt-Korrektheit ueberzeugt. Wir haben Anfang Juni 2024 umgestellt.
Unsere Produktstruktur
Wir haben drei Produkt-Linien:
- Lendle Analytics Basic: Einstiegs-SaaS fuer kleinere Maschinenbauer, monatlicher Tarif 290 EUR netto, oder Jahresabo 2.900 EUR netto (10% Rabatt)
- Lendle Analytics Pro: Erweiterte Funktionen, monatlicher Tarif 890 EUR netto, oder Jahresabo 8.900 EUR netto
- Lendle Analytics Enterprise: Individuell konfiguriert, Jahresvertraege ab 24.000 EUR netto
Jeder Tarif wird als wiederkehrende Rechnung in InvoiceFlow gepflegt. Wenn ein Kunde upgradet oder downgradet, passen wir die wiederkehrende Vorlage an, das Dashboard zeigt den Wechsel in den MRR-Kennzahlen.
Unsere Geographie - Multi-Currency in der Praxis
Aktuell (Mai 2026) haben wir 87 Kunden: 71 in Deutschland, 8 in Oesterreich, 5 in der Schweiz, 3 in den USA. Die meisten zahlen in EUR. Die Schweizer Kunden zahlen in CHF, die US-Kunden in USD. InvoiceFlow erlaubt uns, pro Kunde die Standard-Wahrung festzulegen. Die Rechnung wird in der jeweiligen Wahrung erzeugt, mit korrektem USt- bzw. MWST-Ausweis (Schweiz 8,1% MWST, USA Sales-Tax-Behandlung mit Reverse-Charge-Hinweis fuer B2B).
Im Dashboard sehen wir den MRR in EUR umgerechnet - mit dem Tageskurs der Rechnungsstellung. Das ist nicht perfekt fuer langfristige Berichte, aber es ist eine sehr brauchbare erste Annaeherung, mit der unsere Investoren leben koennen.
Reverse-Charge - die EU-B2B-Spielregel
Unsere Oesterreich-Kunden sind alle Geschaeftskunden mit gueltiger UID-Nummer. Fuer sie greift das Reverse-Charge-Verfahren - die Rechnung enthaelt keine USt-Ausweisung, sondern den Hinweis "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfaengers nach Artikel 196 MwStSystRL". Der oesterreichische Kunde fuehrt die USt in Oesterreich selbst ab.
InvoiceFlow erkennt das anhand der hinterlegten UID-Nummer automatisch - wenn ich einen oesterreichischen B2B-Kunden auswaehle, wird die Rechnung ohne USt-Ausweis erstellt, mit dem korrekten Hinweistext. Ich kann nichts vergessen, weil die Software es automatisch macht.
Schweiz - eigenstaendige Behandlung
Schweiz ist kein EU-Mitglied, MWST-Regeln sind anders. Wir liegen unter der Schwelle von 100.000 CHF Umsatz pro Jahr in der Schweiz, sind also nicht MWST-pflichtig in der Schweiz. Trotzdem erstellen wir die Rechnung in CHF, mit Verweis auf den deutschen USt-Status (Lieferort gilt als Schweiz, daher steuerfrei in Deutschland nach Paragraf 4 UStG). InvoiceFlow erlaubt diese Konstellation mit einem benutzerdefinierten Steuersatz "0% MWST CH" und einem entsprechenden Vermerk.
Wenn wir die Schwelle ueberschreiten (was wir voraussichtlich Ende 2026 oder Anfang 2027 tun werden), muessen wir uns in der Schweiz registrieren und 8,1% MWST ausweisen. Mit InvoiceFlow haben wir dann nur einen Profil-Wechsel und einen neuen Steuersatz zu konfigurieren - die Rechnungs-Struktur bleibt.
USA - der wilde Westen
Unsere US-Kunden sind aktuell drei: zwei in Kalifornien, einer in New York. Sales Tax in den USA ist je nach Bundesstaat verschieden, und fuer ein nicht-US-Unternehmen sind die Regeln kompliziert. Wir beraten uns hier mit einer US-Steuerkanzlei. Aktuell stellen wir Rechnungen ohne Sales Tax, mit dem Hinweis, dass der US-Kunde eine etwaige Use Tax in seinem Bundesstaat selbst abfuehren muss. Die Rechnung wird in USD ausgestellt.
InvoiceFlow erlaubt uns dieses Setup ohne Probleme. Wenn unser US-Geschaeft groesser wird, werden wir eine US-Entitaet gruenden und entsprechend trennen.
MRR-Dashboard - die Investor-Sprache
Das Dashboard zeigt mir jetzt in Echtzeit:
- MRR aktuell: 87.450 EUR (umgerechnet, alle Wahrungen)
- ARR aktuell: 1.049.400 EUR
- Neue MRR im laufenden Monat: 6.890 EUR (3 neue Kunden, 2 Upgrades)
- Verlorene MRR im laufenden Monat: 870 EUR (1 Kuendigung, 1 Downgrade)
- Netto-MRR-Wachstum: 6.020 EUR (+7,4% gegenueber Vormonat)
- Customer Churn-Rate (vorlaufende 3 Monate): 2,1%
- Durchschnittliche Tage bis Zahlung: 17
- Anzahl Kunden: 87
- Durchschnittlicher MRR pro Kunde: 1.005 EUR
Wenn jetzt jemand fragt: "Was ist Ihr MRR Ende des letzten Monats?" - kann ich sagen: "Ende April 2026 lagen wir bei 81.430 EUR, im Mai sind wir aktuell bei 87.450 EUR Hochrechnung. Wir wachsen netto 6 bis 8 Tausend pro Monat." Investoren-Sprache.
Quarterly Investor Updates
Wir haben Anfang 2025 eine Pre-Seed-Finanzierung ueber 750.000 EUR von einer Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft und zwei Business Angels abgeschlossen. Im Investment-Vertrag haben wir uns zu quartalsweisen Reports verpflichtet. Diese Reports enthalten:
- MRR / ARR-Entwicklung mit monatlichen Datenpunkten
- Neue Kunden, Upgrades, Downgrades, Churn
- Customer Acquisition Cost (CAC) - kommt aus unserer CRM-Software
- Customer Lifetime Value (CLTV) - berechnet aus MRR x durchschnittliche Kundenlebensdauer
- Cashflow-Aufstellung
- Pipeline und kommende Quartale
Mit InvoiceFlow als Datenquelle fuer alle Rechnungs- und MRR-bezogenen Kennzahlen kann ich diesen Report in etwa drei Stunden erstellen. Frueher hat das eine ganze Woche gedauert.
Wiederkehrende Rechnungen - das Herzstueck
Aktuell laufen ueber InvoiceFlow 87 wiederkehrende Vertraege:
- 43 monatliche Abrechnungen (am ersten Werktag des Monats)
- 21 quartalsweise Abrechnungen
- 23 jaehrliche Abrechnungen (am jeweiligen Vertragsjahrestag)
Die Software erstellt die Rechnungen automatisch, mit den korrekten Wahrungen, USt- bzw. MWST-Behandlungen, Sprach-Vorlagen (deutsch fuer DE/AT/CH-Kunden, englisch fuer US-Kunden). Wir pruefen jeden Vorgang vor dem Versand, der Aufwand pro Monat ist ca. 4 Stunden fuer alle 87 Kunden.
Zahlungsweg - Stripe und Ueberweisung
Unsere DACH-Kunden bevorzugen ueberwiegend Ueberweisung (SEPA), aber wir bieten auch Stripe-Zahlungslinks an. US-Kunden zahlen praktisch ausschliesslich ueber Stripe. InvoiceFlow generiert auf jeder Rechnung sowohl die Bankverbindung als auch einen Stripe-Zahlungslink und einen QR-Code zur SEPA-Ueberweisung. Der Kunde waehlt, was ihm bequemer ist.
Was sich fuer uns aendert hat
Seit der Umstellung auf InvoiceFlow im Juni 2024 hat sich viel verbessert:
- Wir haben eine erfolgreiche Pre-Seed-Finanzierung abgeschlossen - der saubere MRR-Bericht war ein wichtiger Vertrauensbaustein.
- Unsere durchschnittliche Tage-bis-Zahlung sind von 28 auf 17 gesunken.
- Wir haben Multi-Currency-Kunden ohne USt-Fehler abgewickelt.
- Unser Buchhaltungs-Aufwand ist auf ca. 6 Stunden pro Monat gesunken.
- Unser quartalsweise Investor-Update brauche ich nur drei Stunden, statt einer Woche.
Was ich anderen Startups mitgebe
- Wenn du in der Pre-Seed- oder Seed-Phase bist, ist sauberes MRR-Tracking nicht optional. Es ist die Sprache, in der dein Investor mit dir spricht.
- Bedenke schon frueh Multi-Currency, wenn du auch nur einen Schweizer oder US-Kunden ins Visier nimmst.
- Lerne das Reverse-Charge-Verfahren. Es ist deine erste internationale USt-Lektion.
- Trenne Produkt-Linien nicht in Profilen, wenn du nicht musst - es bringt mehr Komplexitaet als Nutzen.
- Setze schon frueh auf X-Rechnung. Mittelstandskunden werden es fordern.