Rechnungen für Schmuckgestalter: Materialwert, Handarbeit und Punzierung in einer Rechnung sauber abbilden
Du sitzt in deiner Werkstatt in München-Sendling am Goldschmiedeplatz, hast eine Brille hochgeschoben und lötest gerade eine Fassung für einen 0,7-Karäter-Saphir. Der Auftrag: Ein Verlobungsring nach Kundenwunsch, Materialwert Gold 750 plus Stein etwa 2.400 EUR, Handarbeit zwölf Stunden, Endpreis 3.900 EUR. Und jetzt die Frage: Wie schreibst du die Rechnung so, dass der Materialwert nachvollziehbar bleibt, die Punze rechtskonform ausgewiesen ist, die Steuer korrekt aufgeschlüsselt ist und der Kunde versteht, wofür er zahlt? Schmuckgestaltung sitzt steuerlich und rechtlich an einer interessanten Schnittstelle, und dieser Artikel zeigt, wie du sie mit InvoiceFlow sauber abbildest.
Warum Schmuckgestalter eigene Abrechnungslogik brauchen
Du verkaufst nicht “Stunden”, sondern fertige Werke. Aber diese Werke setzen sich aus zwei sehr unterschiedlichen Komponenten zusammen: dem Materialwert (Edelmetall, Edelsteine) und dem Werkwert (Design, Handwerk). Bei einem Goldring kann der Materialwert 60 Prozent ausmachen, bei einer Silberkette unter 10 Prozent. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Kalkulation, für die Versicherungsbewertung (du brauchst eine separate Schätzung) und manchmal für Sonderfälle wie die Differenzbesteuerung bei An- und Verkauf gebrauchter Stücke.
Rechtlich relevant: Punzierung. In Deutschland gilt das Feingehaltsgesetz – Schmuckstücke aus Edelmetall müssen punziert sein, wenn sie mit Feingehaltsangabe verkauft werden. Auf der Rechnung muss der Feingehalt (z. B. “Au 750”) sowie ggf. die Herstellermarke erscheinen. In Österreich gilt das Punzierungsgesetz, in der Schweiz das Edelmetallkontrollgesetz – mit jeweils eigenen Anforderungen.
Hinzu kommt das Thema Sondermünzen, Anlagebarren und Edelmetallhandel: Anlagegold ist nach §25c UStG steuerbefreit – das ist eine eigene Liga.
Die größten Schmerzpunkte
Material- und Werkwert sauber trennen. Wenn der Kunde später eine Versicherung abschließt, will der Versicherer den Materialwert getrennt sehen. Eine pauschale Rechnung “Verlobungsring 3.900 EUR” hilft niemandem.
Sonderanfertigungen mit Anzahlung. Bei einem 3.900-EUR-Ring kalkulierst du Anzahlung von 50 Prozent bei Auftrag, Restzahlung bei Übergabe. Ohne diese Splitting-Logik finanzierst du dem Kunden das Material vor.
Reparaturen und Umarbeitungen. Ein Kunde bringt einen Erbring zur Umarbeitung. Materialwert war schon da, du arbeitest nur. Das ist eine reine Werkleistung – wie weist du das aus?
Differenzbesteuerung bei Ankauf von Altgold. Wenn du gebrauchten Schmuck ankaufst, einschmilzt und neu verarbeitest – das ist potenziell §25a UStG.
Goldpreis-Schwankungen. Du erstellst ein Angebot am Montag, der Kunde unterschreibt am Freitag, Goldpreis ist 4 Prozent gestiegen. Brauchst du eine Klausel für Materialpreisanpassung?
Versand und Echtheitszertifikat. Onlineverkauf eines 1.200-EUR-Anhängers: Versand, Versicherung, beigelegtes Zertifikat – das gehört alles in die Rechnung.
Internationale Kundschaft. Verkauft an einen Sammler in der Schweiz: Schweizer MWST greift nicht, aber bei Ausfuhr brauchst du den Nachweis. Verkauf in die EU an Endkunden: OSS-Schwellenregelung beachten.
Wie InvoiceFlow das löst
Werk-Position mit Material- und Werkwert-Aufschlüsselung
Du legst Positionsvorlagen an: “Ring nach Maß – Au 750” mit Unterzeilen für Materialwert (Gold-Anteil x Tagespreis), Steinkosten und Werkwert. Bei jedem Auftrag passt du die Mengen an, der Endpreis errechnet sich automatisch.
Anzahlungs-Schluss-Workflow
Aus dem Angebot erstellst du mit zwei Taps eine Anzahlungsrechnung über 50 Prozent. Schlussrechnung bei Übergabe zieht die Anzahlung automatisch ab.
Mehrere Profile
“Atelier” für Eigenverkäufe (B2C), “Werkstatt” für Auftragsarbeiten und Reparaturen (oft B2B mit Goldschmiede-Kollegen oder Juwelierläden).
Beleg-Scanner für Material-Einkauf
Goldlieferant Heimerle + Meule schickt eine Rechnung über 3.500 EUR Halbzeug? Scannen, GoBD-konform ablegen, beim Werkverkauf als Material-Beleg zuordbar.
Differenzbesteuerung-Vermerk
Beim Verkauf von umgearbeitetem Altgold wählst du den Vermerk §25a UStG, InvoiceFlow gibt den passenden Hinweistext aus.
Custom PDF Template mit Punze-Feld
Im Template-Editor baust du dir ein Feld für Feingehalt, Stempelmarke, Stein-Spezifikation. Der Kunde bekommt ein Dokument, das gleichzeitig Rechnung und Echtheitsbestätigung ist.
Mehrwährungs- und Mehrsprachen-Logik
Kundin aus Zürich kauft auf CHF mit deutschem PDF. Sammler aus Paris auf EUR mit französischem PDF und englischem Materialhinweis.
Mahnstufen mit Verzugszinsen-Preset
Wenn ein Juwelierladen, der bei dir Schmuck in Konsignation hatte, die Schlussrechnung verschleppt, greifen die hinterlegten Mahnstufen mit Verzugszinsen-Berechnung.
Praxisbeispiel: Petra aus Bern
Petra führt eine Goldschmiede-Werkstatt in der Berner Altstadt. Eigenkollektion plus Auftragsarbeiten, dazu Reparaturen für zwei Juwelierläden in der Region. Vor InvoiceFlow waren ihre Rechnungen handgeschriebene Block-Rechnungen mit Durchschlag – charmant, aber bei der Steuerprüfung 2024 mahnte der Treuhänder Klartext: GoBD-Pflicht trifft auch sie als CH-Unternehmen für die EU-Kunden.
Heute: Verlobungsring-Auftrag für ein Paar aus Genf. Angebot in CHF mit aufgeschlüsseltem Material- und Werkwert. Anzahlung 50 Prozent über InvoiceFlow, Beleg per E-Mail. Bei Übergabe Schlussrechnung mit Punze “Au 750 + Werkstattmarke”, Echtheitsdaten zum Diamanten. Reparaturen für Juwelier in Thun: monatliche Sammelrechnung als wiederkehrende Rechnung. Verkauf eines Ohrring-Paars an Kundin in Hamburg: Ausfuhr aus CH in EU, MWST-frei, Ausfuhrnachweis als Beleg in der App. Treuhänder hat im April 2026 nichts mehr zu meckern.
Schritt-für-Schritt-Workflow
- Profile: Atelier (Endkunden), Werkstatt (B2B-Aufträge).
- Position-Vorlagen: Trauring, Verlobungsring, Anhänger, Ohrringe, Reparatur, Umarbeitung.
- Materialkosten täglich pflegen (Goldpreis-Spot in Position eintragen).
- Lieferanten-Belege scannen und Werkstücken zuordnen.
- Angebot mit Material/Werk-Split erstellen.
- Anzahlung / Schlussrechnung via Workflow.
- Bei Übergabe: Kundenunterschrift in App, PDF per E-Mail oder Druck.
Häufige Fehler
Materialwert nicht ausweisen. Im Versicherungs- oder Versorgungsfall steht der Kunde dumm da.
Anzahlung mündlich vereinbaren, ohne Rechnung. Wenn der Kunde zurücktritt, hast du keine Beweisspur.
Punze nicht in der Rechnung dokumentieren. Bei Kontrolle durch das Eichamt (DE) oder die Edelmetallkontrolle (CH) gibt’s Stress.
Differenzbesteuerung versehentlich auf Eigenherstellung anwenden – das wäre falsch, §25a gilt nur bei Wiederverkauf.
Anlagegold (§25c) mit normalem Schmuck mischen. Anlagegold ist steuerfrei, normales Schmuckgold nicht.
Jetzt starten
Lade InvoiceFlow, baue dir deinen Positionskatalog mit Material/Werk-Split und schreibe die nächste Auftragsrechnung mit sauberer Anzahlungslogik. Dein Treuhänder und dein Versicherungskunde werden es dir danken.